Zeckenschutz für Menschen: DEET, Icaridin & Co. im Vergleich

TickSpot Ratgeber · September 2026

Kurz gesagt: Am zuverlässigsten schützen geschlossene Kleidung und ein Repellent mit DEET oder Icaridin in mindestens 20 Prozent — beide wirken laut Auswärtigem Amt ausreichend gegen Zecken, aber nur für einige Stunden. Kein Mittel ersetzt das Absuchen nach dem Aufenthalt im Freien; darauf besteht auch das Robert Koch-Institut.

Die Wirkstoffe im Vergleich

Die Tabelle fasst zusammen, was Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Verbraucherzentrale Hamburg, Auswärtiges Amt und die US-Gesundheitsbehörde CDC zu den gängigen Wirkstoffen sagen. Marken nennen wir bewusst nicht — entscheidend ist der Wirkstoff auf der Rückseite der Flasche.

Wirkstoff Gegen Zecken Verträglichkeit Kinder
DEET Ab 20 % ausreichend wirksam (Auswärtiges Amt); wirkt laut BfR besser gegen Mücken als gegen Zecken Kann in höherer Konzentration Schleimhäute reizen; nicht großflächig oder dauerhaft anwenden. Greift Kunststoff an — Brillen, Handys, Kunstfaser (BfR) BfR: nicht unter 2 Jahren. Verbraucherzentrale HH: nicht unter 8 Jahren
Icaridin Wirksam gegen Zecken (BfR); laut Verbraucherzentrale HH wirksamer gegen Zecken als DEET Gilt als besser verträglich als DEET, Augen- und Hautreizungen möglich; greift keine Kunststoffe an BfR: nicht unter 2 Jahren
IR3535 Geringste Wirksamkeit der synthetischen Wirkstoffe (Verbraucherzentrale HH) Hautverträglicher, reizt Schleimhäute kaum, greift Kunststoffe nicht an (BfR) Laut BfR die geeignetere Alternative ab 1 Jahr
PMD / Zitroneneukalyptusöl Nachgewiesene abwehrende Wirkung (Auswärtiges Amt), aber kürzer als DEET und Icaridin Kann Augen stark reizen (Verbraucherzentrale HH) CDC: nicht unter 3 Jahren
Ätherische Öle (Lavendel, Citronella) Weniger zuverlässig, verdampfen zügig und müssen oft erneuert werden Können vor allem in der Sonne Haut und Schleimhäute reizen —

Beim Vergleich von DEET und Icaridin gehen die Einschätzungen also auseinander. Für die Praxis ist das weniger dramatisch, als es klingt: Beide wirken, Icaridin ist das verträglichere Mittel und schont Brille und Handy. Wichtiger als die Wahl zwischen beiden ist die Konzentration — das Auswärtige Amt rät von Mitteln unter 20 Prozent ab.

Wie lange wirkt ein Zeckenspray?

Kürzer, als viele denken. Das Robert Koch-Institut nennt den Schutz durch Repellents ausdrücklich „zeitlich begrenzt". Das Auswärtige Amt gibt für DEET Richtwerte an, ohne dabei zwischen Mücken und Zecken zu trennen:

Weil DEET laut BfR gegen Zecken schwächer wirkt als gegen Mücken, und Icaridin in der Regel kürzer als DEET, solltest du für einen Tag im Wald eher mit dem unteren Ende rechnen und nach der Angabe auf der Packung nachsprühen. Für den halbstündigen Gassigang reicht eine Anwendung.

Richtig auftragen

  1. Sonnencreme zuerst, einziehen lassen, dann das Repellent darüber — so empfiehlt es das Auswärtige Amt.
  2. Alle freien Hautstellen dünn und gleichmäßig einsprühen, besonders Knöchel, Beine und den Übergang von Socke zu Hose — dort klettern Zecken aus dem Gras hoch.
  3. Nicht auf Wunden, Sonnenbrand oder Schleimhäute und nie auf die Hände kleiner Kinder, weil sie diese in den Mund nehmen (BfR).
  4. Kinder unter zwölf Jahren nicht selbst sprühen lassen: Laut BfR sollten die Eltern auftragen, damit die Menge stimmt.
  5. Auch die Kleidung einsprühen, wenn das Mittel keine Flecken macht — das rät das RKI. DEET dabei von Kunstfasern, Brille und Handy fernhalten.
  6. Nach Packungsangabe nachsprühen, nicht nach Gefühl.

Kleidung: der unterschätzte Schutz

Das RKI nennt die Kleidung zuerst, noch vor jedem Spray: feste Schuhe, lange Hosen, lange Ärmel bieten im hohen Gras und im Unterholz einen gewissen Schutz. Zwei Details machen daraus mehr:

Noch einen Schritt weiter geht mit Permethrin imprägnierte Kleidung. Die CDC empfiehlt Kleidung mit 0,5 Prozent Permethrin; die Imprägnierung hält mehrere Wäschen und ist nur für Textilien gedacht, nicht für die Haut. Vorimprägnierte Outdoor-Kleidung gibt es laut Auswärtigem Amt auch in Deutschland im Fachhandel. Ein wichtiger Hinweis für Haushalte mit Katze: Permethrin ist für Katzen giftig, weil sie den Stoff nicht abbauen können (Kleintierklinik der Universität Gießen) — vor der Anschaffung lohnt die Frage in der Tierarztpraxis.

Nach dem Ausflug gehört die Kleidung nicht aufs Sofa, sondern in den Trockner: Zehn Minuten bei hoher Hitze töten Zecken zuverlässiger als eine Wäsche bei 40 °C. Die Details stehen in „Können Zecken in der Wohnung überleben?".

Kinder, Schwangerschaft und Stillzeit

Hier widersprechen sich die Quellen am deutlichsten, und wir glätten das nicht:

Maßgeblich ist deshalb die Packungsbeilage des konkreten Produkts — sie gilt für genau diese Rezeptur und Konzentration. In der Schwangerschaft und bei kleinen Kindern im Zweifel in der Apotheke oder Arztpraxis nachfragen. Für die Kleinsten empfiehlt das BfR, auf Repellents ganz zu verzichten. Dann tragen Kleidung und das Absuchen den Schutz allein — wie das bei Kindern schnell geht, steht in „Kind nach Zecken absuchen".

Hausmittel: was nachweislich nicht hilft

Das Auswärtige Amt ist hier ungewöhnlich deutlich und nennt als wirkungslos: Repellent-Armbänder, die Einnahme von Vitamin B1 oder B6, Knoblauch, Ultraschallgeräte, Citronella-Kerzen und Teebaumöl. Für Kokosöl, das gerade viel empfohlen wird, haben wir keine behördliche Bewertung gefunden, die eine Schutzwirkung belegt. Weitere hartnäckige Irrtümer prüft „Zecken-Mythen im Faktencheck".

Und danach: absuchen

Jede dieser Maßnahmen senkt die Zahl der Zecken, die zustechen — keine bringt sie auf null. Deshalb endet die Empfehlung des RKI immer gleich: nach dem Aufenthalt im Freien den Körper absuchen und gefundene Zecken sofort entfernen. Die Stellen, an denen Zecken bevorzugt sitzen, zeigt „Wo sitzen Zecken am liebsten?"; wie du eine gefundene Zecke herausbekommst, „Zecke richtig entfernen". Und wer den Garten gleich mit schützen will, findet das in „Zecken im Garten vermeiden".

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Häufige Fragen

Was hilft am besten gegen Zecken?

Die Kombination aus geschlossener Kleidung, einem Repellent mit DEET oder Icaridin und dem Absuchen des Körpers nach dem Aufenthalt im Freien. Kleidung und Repellent senken die Zahl der Zecken, die zustechen; das Absuchen findet die, die trotzdem durchkommen. Das Robert Koch-Institut nennt alle drei Maßnahmen.

Ist Icaridin oder DEET besser gegen Zecken?

Beide gelten laut Auswärtigem Amt ab 20 Prozent als ausreichend wirksam gegen Zecken. Das BfR schreibt, DEET wirke generell besser gegen Mücken als gegen Zecken; die Verbraucherzentrale Hamburg hält Icaridin gegen Zecken für wirksamer. Icaridin gilt zudem als besser verträglich und greift keine Kunststoffe an.

Wie lange schützt ein Zeckenspray?

Nur einige Stunden. Das Auswärtige Amt nennt für DEET je nach Konzentration ein bis drei Stunden bei 20 Prozent und bis zu sechs Stunden bei 30 Prozent, ohne dabei zwischen Mücken und Zecken zu unterscheiden. Icaridin wirkt laut BfR in der Regel kürzer als DEET. Maßgeblich ist die Angabe auf der Packung.

Ab welchem Alter dürfen Kinder Zeckenspray benutzen?

Die Angaben unterscheiden sich. Das BfR rät von DEET und Icaridin bei Kindern unter zwei Jahren ab und nennt IR3535 als geeignetere Alternative ab einem Jahr; die Verbraucherzentrale Hamburg rät von DEET bis zum Alter von acht Jahren ab. Entscheidend ist die Packungsbeilage des jeweiligen Produkts, im Zweifel die Kinderarztpraxis oder Apotheke.

Helfen Hausmittel wie Kokosöl oder Teebaumöl gegen Zecken?

Für Teebaumöl, Knoblauch, Vitamin B und Repellent-Armbänder stellt das Auswärtige Amt fest, dass sie wirkungslos sind. Für Kokosöl haben wir keine behördliche Bewertung gefunden, die eine Schutzwirkung belegt. Ätherische Öle schützen laut Verbraucherzentrale Hamburg weniger zuverlässig als synthetische Wirkstoffe und verdampfen schnell.

Quellen

Hinweis: Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Maßgeblich für jedes Produkt ist dessen Packungsbeilage — in der Schwangerschaft und bei kleinen Kindern im Zweifel in Apotheke oder Arztpraxis nachfragen.