Zeckenarten in Deutschland: Holzbock, Auwaldzecke & Co. erkennen
Kurz gesagt: In Deutschland kommen mehrere Zeckenarten vor, doch eine macht laut Robert Koch-Institut die allermeisten Stiche beim Menschen aus: der Gemeine Holzbock. Die anderen Arten sind selten, stechen bevorzugt Tiere — oder sind, wie die eingewanderte Hyalomma-Zecke, auffällig, aber zahlenmäßig eine Randerscheinung.
Die Arten im Überblick
| Art | Aussehen | Vorkommen | Überträgt unter anderem | Sticht Menschen |
|---|---|---|---|---|
| Gemeiner Holzbock Ixodes ricinus |
Klein, Weibchen mit rotbraunem Hinterleib und dunklem Schild; Nymphen 1–2 mm | Häufigste Art, Wald, Waldrand, Wiesen | Borrelien, FSME-Viren, Anaplasmen | Ja — die meisten Stiche |
| Auwaldzecke Dermacentor reticulatus |
Hell marmoriertes Rückenschild; wenige Millimeter, vollgesogen bis stachelbeergroß | Zunehmend, insgesamt recht selten; feuchte Laubwälder, Überschwemmungsgebiete | Babesien (Hund), FSME-Viren, Rickettsien | Selten |
| Igelzecke Ixodes hexagonus |
Dem Holzbock ähnlich, leicht zu verwechseln | Vor allem am Igel, auch an Füchsen und anderen Hundeartigen | Gilt als Überträger von Borrelien und FSME-Viren | Nicht belastbar beziffert |
| Braune Hundezecke Rhipicephalus sanguineus |
Rötlich- bis gelblich-braun, bis 5 mm | Südeuropa; mit Hunden eingeschleppt, kann sich in Wohnungen vermehren | Beim Hund: Ehrlichia canis, Babesien | Ja |
| Hyalomma H. marginatum, H. rufipes |
1–2 cm, braun-gelb gestreifte Beine | Sehr selten, kommt mit Zugvögeln | Kann das Krim-Kongo-Virus tragen — in Deutschland bisher nicht nachgewiesen | Ja, verfolgt den Wirt aktiv |
| Taubenzecke Argas reflexus |
Lederzecke ohne Rückenschild, oval, 4–10 mm | Taubennistplätze an Gebäuden, Dachböden | Übertragung auf Menschen bisher nicht bekannt | Ja, wenn Tauben fehlen |
Die Tabelle beschreibt, was die Behörden über die Arten sagen — eine sichere Artbestimmung können nur Fachleute vornehmen. Für den Umgang mit einer Zecke am Körper spielt die Art ohnehin keine Rolle, dazu mehr am Ende.
Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus) — der Standardfall
Aussehen: Erwachsene Weibchen haben einen rotbraunen Hinterleib mit dunklem Schild vorn. Als Larve hat der Holzbock sechs, als Nymphe und als erwachsenes Tier acht Beine. Nymphen sind ungesogen nur ein bis zwei Millimeter groß und dadurch leicht mit einem Muttermal oder einer Sommersprosse zu verwechseln — wie du den Unterschied erkennst, steht in „Zecke oder Muttermal?". Zeichnungen zu Aufbau, Größe und Farbe stehen in „Wie sehen Zecken aus?“.
Verbreitung: Laut Robert Koch-Institut die häufigste Zeckenart in Deutschland. Findest du eine Zecke an dir, ist es mit großer Wahrscheinlichkeit diese. Das Umweltbundesamt beschreibt sie als ganzjährig aktiv, vor allem im Frühjahr und Herbst, in Wäldern, an Waldrändern und auf Wiesen. Vom Ei bis zum erwachsenen Tier vergehen etwa zwei bis drei Jahre.
Krankheiten: Das RKI nennt den Holzbock als Wirt für Borrelien (Lyme-Borreliose), FSME-Viren und Anaplasmen. Die europäische Gesundheitsbehörde ECDC führt zusätzlich unter anderem den Erreger der Tularämie, Rickettsien und Babesien auf. Der Holzbock ist damit die Art, um die es in den meisten Ratgebern — auch in unseren — geht.
Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) — die Gemusterte
Aussehen: Gut am hell marmorierten Rückenschild zu erkennen, das nicht einfarbig dunkel ist wie beim Holzbock. Laut Umweltbundesamt ist sie nüchtern nur wenige Millimeter groß und kann vollgesogen die Größe einer Stachelbeere erreichen.
Verbreitung: Sie tritt nach Angaben des Umweltbundesamts in den letzten Jahren vermehrt in Deutschland auf, ist insgesamt aber recht selten. Sie lebt bevorzugt in feuchten Laubwäldern und Überschwemmungsgebieten und befällt vor allem Hunde, Füchse und Wiederkäuer. Menschen sticht sie nur selten: Nach Untersuchungen des RKI gehen Auwald- und die noch seltenere Reliktzecke zusammen auf etwa ein bis zwei Prozent der Zeckenstiche zurück.
Krankheiten: Laut RKI überträgt sie Babesien — darunter Babesia canis, den Erreger der Hundebabesiose („Hundemalaria") —, FSME-Viren und Rickettsien. Für Hundehalter ist sie damit die relevanteste Art, siehe „Können Zecken Krankheiten auf Hund und Katze übertragen?".
Nahe verwandt ist die Reliktzecke (Haemaphysalis concinna). Sie ist laut RKI bundesweit sehr selten, bildet aber nahe der polnischen Grenze stabile Bestände. Sie gilt als Überträger von FSME-Viren, dem Tularämie-Erreger und Rickettsien; eine Übertragung in Deutschland ist bislang nicht beschrieben.
Igelzecke (Ixodes hexagonus) — die Nestbewohnerin
Aussehen: Dem Holzbock äußerlich so ähnlich, dass das ECDC ausdrücklich auf die Verwechslungsgefahr hinweist.
Verbreitung: Laut dem Wildtier-Forschungsprojekt ZOWIAC von Senckenberg und Goethe-Universität Frankfurt ist der Igel ihr Hauptwirt; auch Füchse und andere Hundeartige werden befallen. Wer einen Igel im Garten hat oder einen Hund, der gern durch Hecken stöbert, begegnet ihr am ehesten. Wie oft sie Menschen sticht, haben wir in keiner belastbaren Quelle beziffert gefunden.
Krankheiten: Sie gilt als Überträger der Borreliose und der FSME.
Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) — die Reisemitbringsel-Zecke
Aussehen: Laut Umweltbundesamt rötlich-braun bis gelblich-braun gefärbt und bis fünf Millimeter groß.
Verbreitung: Ihr natürliches Verbreitungsgebiet ist Südeuropa; nach Deutschland kommt sie über befallene Hunde nach Urlaubsreisen. Ihre Besonderheit macht sie zum Sonderfall unter den heimischen Arten: In Wohnräumen kann es laut UBA zu Massenvermehrungen kommen. Mehr dazu in „Können Zecken in der Wohnung überleben?".
Krankheiten: Beim Hund überträgt sie nach Angaben der Tierärzte-Vereinigung ESCCAP Ehrlichia canis, den Erreger der Ehrlichiose, und Babesien. Beim Menschen können sich nach Stichen laut UBA Quaddeln bilden; bei vielen Stichen von Larven sind auch großflächigere Hautreizungen möglich.
Hyalomma — die große Eingewanderte
Aussehen: Laut RKI etwa doppelt so groß wie der Holzbock, das UBA nennt 1 bis 2 Zentimeter. Unverwechselbar sind die braun-gelb gestreiften Beine, mit denen sie schnell und aktiv auf ihren Wirt zukrabbelt, statt wie der Holzbock abzuwarten.
Verbreitung: Die Gattung ist in Teilen Afrikas, Asiens und Südosteuropas verbreitet. Nach Deutschland gelangen laut RKI Larven und Nymphen im Frühjahr mit Zugvögeln und entwickeln sich im Sommer zu erwachsenen Tieren; gefunden wurden bisher nur Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes. Sie ist sehr selten: Pro Jahr werden dem RKI zwischen zwei und etwa 20 Exemplare geschickt. Ob sich dauerhaft eine Population bildet, ist nach RKI-Angaben noch offen.
Krankheiten: Hyalomma-Zecken können das Krim-Kongo-Virus tragen, das das schwere Krim-Kongo-Hämorrhagische Fieber auslöst. In Zecken in Deutschland wurde es bislang nicht nachgewiesen, und bei Wild- und Nutztieren kommt es hier nicht vor. Häufiger ist Rickettsia aeschlimannii, ein Erreger des Zeckenstichfiebers: Das Citizen-Science-Projekt der Universität Hohenheim fand ihn in rund 30 Prozent der untersuchten Tiere.
Einordnung, damit die Zahlen nicht falsch wirken: Das Hohenheimer Projekt sammelte zwischen Februar 2019 und Dezember 2021 rund 8.100 eingesendete Zecken, darunter 202 Hyalomma-Exemplare. Das sind andere Zahlen als die des RKI, weil es ein anderer Meldeweg ist — und auffällige Tiere werden viel eher eingeschickt als gewöhnliche Holzböcke. Solche Einsendungen sagen deshalb nichts darüber, wie häufig eine Art tatsächlich ist. Wer eine Hyalomma findet, kann sie laut RKI mit einem Klebestreifen auf Papier fixiert einschicken; die Adresse steht im Zecken-FAQ des RKI.
Taubenzecke (Argas reflexus) — die Lederzecke im Haus
Aussehen: Anders als alle bisher genannten Arten eine Lederzecke: ohne Rückenschild, oval, laut Umweltbundesamt 4 bis 10 Millimeter lang. Hungrig ist sie flach, nach dem Blutsaugen deutlich angeschwollen.
Verbreitung: Sie lebt an Nistplätzen von Tauben auf Dachböden und an Gebäuden und versteckt sich tagsüber in Ritzen, Spalten oder hinter losen Tapeten. In Wohnungen kommt sie laut UBA vor allem dann, wenn Tauben durch Umbauten der Zugang zu ihren Nistplätzen versperrt wurde — dann suchen die Zecken nachts neue Wirte.
Krankheiten: Eine Übertragung von Krankheitserregern auf den Menschen ist laut UBA bisher nicht bekannt. Stiche können aber allergische Reaktionen und Hautreizungen auslösen. Die Bekämpfung gehört in die Hände professioneller Schädlingsbekämpfer.
Was das für dich praktisch bedeutet
Für den Alltag musst du keine Zeckenarten bestimmen können. Die Handlungsempfehlung ist bei allen Schildzecken identisch: zügig und richtig entfernen, Stichstelle beobachten — die Anleitung steht in „Zecke richtig entfernen". Interessant wird die Art nur in drei Fällen: bei einer auffallend großen Zecke mit gestreiften Beinen (Hyalomma, gern ans RKI schicken), bei Hunden, wo die Auwaldzecke wegen der Babesiose zählt, und wenn in der Wohnung wiederholt Zecken auftauchen — dann steckt eher die Braune Hunde- oder die Taubenzecke dahinter als der Holzbock.
Womit du die winzigen Nymphen des Holzbocks überhaupt erst findest — den Fall, der praktisch immer zutrifft —, steht in „Zecken mit dem Handy finden".
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Zecken-Check startenHäufige Fragen
Ist ein Holzbock eine Zecke?
Ja. Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) ist eine Zecke, und zwar laut Robert Koch-Institut die häufigste Art in Deutschland. Findest du eine Zecke an dir, ist es mit großer Wahrscheinlichkeit ein Holzbock.
Welche Zeckenarten gibt es in Deutschland?
Am häufigsten ist der Gemeine Holzbock. Dazu kommen unter anderem die Auwaldzecke, die Igelzecke, die Braune Hundezecke, die Taubenzecke und vereinzelt eingewanderte Hyalomma-Zecken. Für Menschen spielt vor allem der Holzbock eine Rolle.
Wie erkenne ich, welche Zecke ich habe?
Ein rotbrauner Hinterleib mit dunklem Schild spricht für ein Holzbock-Weibchen, ein hell marmorierter Rückenschild für eine Auwaldzecke, sehr große Tiere mit gelb-braun gestreiften Beinen für Hyalomma. Zeichnungen zu Aufbau und Farbe stehen in „Wie sehen Zecken aus?“.
Muss ich die Zeckenart kennen, um richtig zu handeln?
Nein. Entfernt wird jede Zecke gleich: so früh wie möglich, hautnah greifen und langsam herausziehen. Danach die Stelle beobachten.
Quellen
- Robert Koch-Institut: FAQ Zecken (häufigste Art, übertragene Erreger von Holzbock, Auwald- und Reliktzecke, Anteil an den Stichen, Hyalomma)
- Umweltbundesamt: Schildzecken (Holzbock, Auwaldzecke, Hyalomma, Braune Hundezecke; Stand 04.09.2026)
- Umweltbundesamt: Taubenzecken (Aussehen, Vorkommen, Stiche; Stand 24.09.2026)
- ECDC: Factsheet Ixodes ricinus (Erreger, Beine je Stadium, Verwechslung mit der Igelzecke)
- ZOWIAC, Senckenberg / Goethe-Universität Frankfurt: Ixodes hexagonus (Wirte, Vektorstatus)
- ESCCAP Deutschland: Vektorübertragene Krankheiten bei Hunden und Katzen (Erreger der Braunen Hundezecke)
- Universität Hohenheim, Projekt Tropenzecken: Pressemitteilung vom 21.12.2021 (202 Hyalomma-Funde 2019–2021, Rickettsia aeschlimannii)
Hinweis: Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine medizinische oder tierärztliche Beratung. Eine sichere Artbestimmung ist nur durch Fachleute möglich.